Wo kommen wir her:

Degus stammen aus Südamerika, genauer gesagt aus Chile, wo sie sich verschiedene Lebensräume von den Küstengebieten bis zu den Hochebenen erschlossen haben. Somit sind sie ziemlich anpassungsfähig und wetterunempfindlich.
Degus sind Nagetiere, die manche an Chinchillas, andere wieder an Ratten erinnern, obwohl sie mit beiden nicht verwandt sind. Man nennt sie auch Trugratten, ein Name, der schon verrät, das der Eindruck trügt. Sie haben eine ganz eigene Lebensweise und somit auch andere Ansprüche an die Haltung als Chinchillas oder Ratten.  

Wie Verständigen wir uns :

Hohes, kurzes Pfeifen
Warnruf (der Pfiff ist zweisilbig, er ist also nicht gleichbleibend sondern variier in der Tonlage). Der Degu signalisiert Gefahr.

Ein hoher, langanhaltender oder wiederholter Pfiff
Der Degu ist erregt. Auch ein Zeichen von Wut, Frust, Schmerzen - oder sexueller Erregung.

Quietschen, Cirpen, Trällern, Zwitschern, Quäken
Dies sind Laute, die zur normalen Kommunikation von Degus untereinander gehören. Sie begleiten kleine Auseinandersetzungen, Paarung, Begegnungen, zeigen an, dass die Degus sich wohl fühlen oder genervt sind und sind oft im Gehege zu hören.

Hohes Quietschen
Der Degu könnte sich erschreckt haben, meist in Zusammenhang mit dem Aufgeregtem Aufrichten auf die Hinterbeine und regungslosem verhaaren oder einer Flucht. Der Pfiff signalisiert aber auch Schmerz und Schreck und Panik, vor allem bei Gewaltanwendung vom Menschen dem Degu gegenüber.

Tiefes Knurren
Ja, das bedeutet genau das, was man vermuten möchte: Ärger und Aggressionen, wird der Degu nicht in Ruhe gelassen, folgt ein Angriff. Mitunter wird das Geräusch durch Zähne knuspeln begleitet.

Zähne knuspeln
Degus reiben ihre Zähne aneinander, es ist ein leicht knirschendes Geräusch. Meist ist es zu hören, wenn der Degu unsicher ist, nachdenkt, aber auch bei Angst, Panik, Unsicherheit und Wut ist es zu hören. Es hat nichts damit zu tun, dass die Zähne zu lang werden, wie oft behauptet wird.

Was mögen wir für Futter :

Degus sind an karge Nahrung gewöhnt, deshalb sind sie gute Futterverwerter und sie neigen zu Diabetes. Das Degufutter sollte deshalb nicht zu fetthaltig oder zu süss sein, damit die Tiere nicht dick und krank werden.
Ein sehr wichtiger Bestandteil ist Heu. Sie fressen es sehr gern und benutzen Heu und Stroh auch zum Nestbau.
Wir haben einiges käufliches Degufutter getestet und bin bei einem super Futter hängen geblieben. Meine Degus bekommen alle Deguspezial von JR-Farm. Dazu mische ich Sämereien und Blüten, die es auch im Handel oder online zu kaufen sind. Als kleines Leckerli gibt es bei mir Karottenchips und als besonderes Lerckerli gibts Nüsse. Um ihre Zähne zu trainieren sind auch Haselnüsse und Wallnüsse gut, aber Vorsicht, wollen sie Ruhe haben, dürfen sie diese nicht geben. Denn Degus nagen solange, bis sie endlich den Kern haben und bei der dicken Schale dauert es schon eine Weile.
Meine Degus bekommen aus dem Grund nur selten und unter Beobachtung solche Speisen. Manche möchten es auch gar nicht und laufen nach dem Riechtest gleich wieder weg.

Je grösser umso besser, das Lieben wir :

Degus sind eigentlich Bodenbewohner, auch wenn sie klettern können. Deshalb ist meiner Meinung nach die Grundfläche eines Käfigs wichtiger als die Höhe. Als absolutes Mindestmaß für 2-3 Tiere wird eine Größe von 100cm x 50cm x 120cm angegeben, das auf keinen Fall unterschritten werden sollte. Der Käfig sollte große Türen haben, damit er gut einzurichten und zu reinigen ist. Außerdem sollte er keine Plastikwanne haben, da die Tiere die Plastikwanne in wenigen Stunden zernagen würden. Das Angebot an Degu geeigneten Käfigen im Zoohandel ist sehr gering, deshalb Bauen wir unsere Käfige selbst. 

Wo wir gerne Wohnen:

Der Käfig sollte nicht in dunklen Räumen stehen (Keller usw.), da nach meiner Erfahrung die Tiere Tageslicht brauchen und er sollte vor Zugluft geschützt sein. Degus sind eigentlich tagaktive Tiere, viele Tiere passen sich aber auch ihren Besitzern an, deshalb können die Tiere auch Nachts ziemlich laut werden. Deshalb würde ich davon abraten den Käfig ins Schlafzimmer zu stellen.

Käfigeinrichtung, das haben wir gern:

Degus sind richtige Nagetiere, d.h. sie zernagen alles was ihnen zwischen die Zähne kommt. Deshalb muss man Käfigteile aus Holz, die nicht angenagt werden sollen mit Aluschienen schützen. Diese müssen jedoch gelegentlich auch ausgetauscht werden.

Kunststoffe jeder Art haben in einem Degukäfig nichts verloren! Die Tiere zernagen sie in Rekordzeit und beim Verschlucken können die Teile leicht einen Darmverschluss verursachen, an dem die Tiere sterben können. Die Käfigeinrichtung sollte deshalb möglichst aus Holz oder Kork bestehen. Ich verwende auch gern große Papieröhren, die sich gut zum zernagen eignen.

Degus legen in freier Wildbahn viele Kilometer am Tag zurück. Das ist in Käfighaltung eigentlich nur durch ein artgerechtes Laufrad zu gewährleisten. Dieses sollte mindestens 30cm Durchmesser haben, eine geschlossene Lauffläche. Um ihr Fell zu pflegen benötigen Degus ein Sandbad. Meine Degus haben immer Zugang zu ihrem Sandbad, allerdings besteht auch die Möglichkeit das Sandbad täglich für ca. 30min zur Verfügung zu stellen. Damit die Tiere nicht alles aus dem Sandbad rausbuddeln oder durch Kot und Urin verunreinigen.

Wir brauchen Freunde:

Degus dürfen niemals allein gehalten werden!
Degus sind Rudeltiere und brauchen unbedingt immer Artgenoßen!

Degus sind sehr soziale Tiere und sollten niemals alleine gehalten werden. Deshalb kommt praktisch jeder Deguhalter irgendwann in die Situation zwei oder mehrere fremde Degus aneinander gewöhnen zu müssen. Das nennt man allgemein vergesellschaften. Es ist nicht  möglich fremde Degus einfach zusammen zu setzten. Normalerweise kommt es zwischen Degus, die sich nicht kennen zum Kampf, da der Unterlegene nicht fliehen kann, weil er sich in einem Käfig befindet, wird er getötet, oder zumindest verletzt. Es gibt verschiedene Methoden der Vergesellschaftung, die meisten eignen sich nicht für Anfänger, weil das Risiko, dass bei falscher Einschätzung der Situation Tiere verletzt werden zu groß ist.

Die Methode, die am häufigsten praktiziert wird und bei mir die höchste Erfolgsrate und das geringste Risiko hat, ist die Trenngittermethode:
In den Käfig sollte ein Trenngitter eingebaut werden, so dass jedes Tier/ jede Gruppe ihre eigene Käfighälfte hat, aber das andere Tier/ Gruppe sehen und riechen kann.
Die Tiere/Gruppen werden in die zwei Käfighälften gesetzt mit je einem Sandbad.
Jeden Tag werden die Sandbäder auf die andere Seite gestellt-natürlich ohne den Sand zu wechseln. Alle 3-4 Tage tauschen die Tiere/Gruppen die Seiten. Nach ca. 2 Wochen, wenn sich die Tiere am Gitter ohne jede Aggression begegnen und miteinander zwitschern kann man eine direkte Zusammenführung riskieren

Für dieses erste Treffen ohne Trenngitter sollte man viel Zeit haben, d.h. am besten am Wochenende. Man sollte einen Ort wählen, der für alle Tiere unbekannt ist und nicht zu viel Platz bietet. Wir haben dafür ein extra Becken. Es sollte Wasser und Heu zur Verfügung stehen, aber keine Einrichtungsgegenstände oder Leckerlies. Man sollte die Tiere für mehrere Stunden beobachten, denn es kann jederzeit zum Kampf kommen. Boxen und fiepen ist normal und häufig, sollten die Degus jedoch ein "Knäul" bilden und sich ineinander verbeißen, muss man sofort dazwischen gehen. Wichtig: Nie mit ungeschützten Hände eingreifen, dicke Handschuhe bereithalten und anziehen sonst wird man gebissen. Oft wird ein Handtuch empfohlen, aber auch da ist die Chance gebissen zu werden ziemlich hoch. Für den Notfall leistet auch eine Blumensprühflasche gute Dienste. Die Degus nur ganz kurz ansprühen, nicht Baden. Kommt es zum Kampf und man muss die Tiere trennen, sollte man die Trenngitter Metode für weitere 2-3 Wochen wiederholen und erst dann eine erneute Zusammenführung versuchen.
Sind die Tiere friedlich, sollte man den Käfig komplett Grundreinigen ( komplette Einstreu wechseln, alle Gegenstände gründlich reinigen oder austauschen ), wir desinfizieren den Käfig zusätzlich mit Alkohol. Den Käfig neu Einrichten und die Einrichtung möglichst anders platzieren, damit die "Alteingesessenen" den Käfig nicht als ihr Revier erkennen. Dann können Alle zurück in den Käfig ohne Trenngitter und mit frischem, gemeinsamen Sandbad.
Eine Vergesellschaftung mit gut sozialisierten Tieren dauert oft nur wenige Tage, v.a. wenn man die Tiere kennt. Es kann jedoch auch viele Wochen und mehrere Versuche benötigen, bis die Tiere vergesellschaftet sind. Das hängt von dem Charakter der Tiere ab und was sie durchgemacht haben. Man sollte niemals voreilig aufgeben


Weibchen oder Männchen, so erkennt man uns:

Männchen und Weibchen unterscheiden sich durch den Abstand zwischen Harnröhre und After. Dieser beträgt bei Weibchen nur 1-2mm während er beim Männchen ca. einen halben Zentimeter beträgt. Außerdem ist bei Männchen eine Falte zwischen After und Harnröhre sichtbar, die bei Weibchen fehlt.

So vermehren wir uns:

Weibchen werden mit ca. 8 Wochen geschlechtsreif, Männchen mit ca. 3 Monaten, wobei es frühreife Tiere gibt. Die Degus haben eine ziemlich lange Tragzeit von ca. 85-95 Tage. Die Geburt findet meistens nachts oder in den frühen Morgenstunden statt. Das Weibchen bekommt 1-12 Degus. Die jungen Degus fangen bald nach der Geburt an bei der Mutter zu saugen, dabei liegen sie meist auf dem Rücken. Die jungen Degus können am Anfang ihre Körpertemperatur noch nicht vollständig selbst regulieren. Sie werden deshalb von der Mutter oder anderen Familienmitgliedern gewärmt. Es sollte in dieser Zeit nicht zu kalt im Deguzimmer sein. Die jungen Degus kommen vollständig behaart auf die Welt und haben die Augen geöffnet. Bereits am 1. oder 2. Tag nach der Geburt beginnen sie mit ersten Ausflügen aus dem Nest.

Sie werden ca. 3-4 Wochen lang gesäugt und können mit ca. 6-7 Wochen von der Mutter getrennt werden. Unmittelbar nach der Geburt ist das Weibchen wieder Empfängnis bereit, wodurch es in Käfighaltung theoretisch bis zu 4 Würfe pro Jahr geben kann. Das sollten jedoch keinem Weibchen in Käfighaltung zugemutet werden! Die Jungtiere sind erst im Alter von ca. 1 Jahr ausgewachsen. Da Degus 4-6 Jahre alt werden können, sollte man die Anschaffung gut überlegen und sich vorher gut über artgerechte Degu Haltung informieren.